Good Stories – #11/2026​: 5 Beobachtungen von der Frankfurter Buchmesse

Good Stories – #11/2026​: 5 Beobachtungen von der Frankfurter Buchmesse

Ich vor dem Haupteingang der Frankfurter Buchmesse.
Willkommen auf der Frankfurter Buchmesse 2026!

Was ich von der Frankfurter Buchmesse mitnehme: Fünf Beobachtungen.

Lesen ist (zum Glück) nicht out!
Mein erster Eindruck, als ich vor Ort die vielen jungen Besucher:innen sehe: das Buch lebt!
236.000 Menschen kamen vergangene Woche zur Frankfurter Buchmesse. 4.000 Aussteller waren da, dazu mehr als 3.800 Veranstaltungen. Wer also vom Ende des Lesens spricht, hätte dort vorbeischauen sollen. Natürlich sind volle Messehallen kein Beweis für regelmäßige, intensive oder gar steigende Lesegewohnheiten. Aber sie zeigen, wie viele Menschen sich (trotz aller medialer Abgesänge) weiterhin für Bücher und die Geschichten dahinter interessieren.

Jede Generation liest anders.
Manche Bücher sehen inzwischen aus wie kleine Kunstwerke: Farbschnitt, aufwendig gestaltete Cover, geprägte Titel. Als jemand, der ein großer Fan von Design und Ästhetik ist, liebe ich es, solche aufwändig gestalteten Bücher zu bewundern, wie Bilder in einer Galerie. Dennoch muss ich, als Angehöriger der Generation X, innerlich schmunzeln, wenn ich die Fangemeinde rund um Young und New Adult sehe, wie sie draußen geduldig an einer kitschig-bunten „Winterhütte“ ansteht, um dort bei künstlichem Schnee (Schaum) sich das passende Getränk „Peppermint Hot Chocolate“ abzuholen. Das Schöne ist aber, es funktioniert. Media Control veröffentlicht seit 2023 eigene BookTok-Bestsellerlisten. New und Young Adult Literatur zeigt mit neuer Ästhetik andere Wege zum Buch.

Hinter jedem Buch steht ein Mensch.
Fast noch schöner war es, die Menschen hinter den Büchern zu erleben: Valeria Gordeev las aus ihrem Debüt „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“ und ich war hin und weg, auch und wegen ihrer eindrücklichen Stimme. Lutz Seiler sprach über „Das tickende Herz“, Dörte Hansen über ihren neuesten Roman „Border“ und Robert Habeck habe ich mit „Arctic Meltdown“ gleich zweimal erlebt. Zu hören, wie eine Idee entsteht, wie lange Autor:innen an einem Text arbeiten, was sie streichen, neu beginnen, welche Gedankengänge in Beschreibungen, Aussagen, Personen, Orten, kleinen Gesten stecken, das verändert den Blick auf das fertige Buch.

Künstliche Intelligenz beschäftigt auch die Buchbranche.
Auch auf der Buchmesse tauchte natürlich überall diese beiden Buchstaben auf: KI. Vor allem bei Prozessen rund ums Buch ist KI eine wichtige Unterstützung: Audioproduktion, Rechtehandel, Verlagsabläufe. Hier sehe ich auch viel Potenzial. Beim Schreiben selbst bin ich zurückhaltender. Unterstützung im Sinne von z.B. Recherche JA, Gedanken zu beschreiben, um die richtigen, treffenden Worte zu ringen und es genauso auf den Punkt zu formulieren, wie ich es meine, definitiv NEIN. Und mein Eindruck vor Ort von den vielen Autor:innen war ein sehr ähnlicher: Der Prozess des Schreibens, des Verfassens, des Formulierens ist ein so elementarer Teil des Schriftstellerseins, dass man diesen nicht an eine KI auslagern kann.

Dieselbe Geschichte kann völlig unterschiedlich gelesen werden.
Wie unterschiedlich Bücher wahrgenommen und interpretiert werden können, erlebt ich beim „Literarischen Quartett spezial U21“ auf der ARD/ ZDF/ 3sat-Bühne: Drei junge Literatur- und Bücherfans diskutierten mit der Moderatorin Thea Dorn verschieden Bücher, unter anderem Kristine Bilkaus Buch „Halbinsel“. Da ich das Buch auch mit großer Begeisterung gelesen hatte, fand ich die Diskussion zwischen den jungen Leuten (Generation Z), aber auch mit der Moderatorin (wie ich aus der Generation X) extrem spannend: Wie unterschiedlich die Spannungen zwischen Mutter und Tochter, die Situation der Tochter, das Hadern und der Umgang der Mutter damit, bewertet wurde. Dasselbe Buch, dieselben Figuren, dieselbe Handlung. Und trotzdem ganz andere Sichtweisen.

Meine Quintessenz:
Gute Geschichten leben von den Menschen, die sie erzählen, und von denen, die ihnen zuhören. Dabei verschönert die Verpackung zunehmend den Eintritt in die Bücherwelt. Und manchmal erschließt sich eine Geschichte erst richtig, wenn jemand anderes eine völlig neue Perspektive darauf eröffnet.

Meine Quellen:
- Zahlen von der Frankfurter Buchmesse (2026) LINK
- Mediacontrol und BookTok (vom 08.10.2026) LINK
- Die Autor:innen, die ich live erlebt habe: Robert Habeck, Dörte Hansen, Lutz Seiler, Valeria Gordeev
- Buchmesse und KI: LINK
- Literarisches Quartett Spezial U21: LINK

Scroll
Cookie Consent mit Real Cookie Banner