Good Stories – #5/2026: KI ist ein Werkzeug.
KI kann schreiben. Aber kann sie (auch) kommunizieren?
Warum ich bei meinen Texten die letzte Instanz bleibe.
Als Gutenberg um 1440 den Buchdruck erfand, konnten Texte viel einfacher vervielfältigt werden. Wissen verbreitete sich schneller in immer grösseren Bevölkerungsschichten. Flugblätter und Zeitungen ergänzten bald das Buch. Später machte die Schreibmaschine aus krakeliger Handschrift einen reproduzierbaren Text. Der Computer ersparte dann Tipp-Ex und Durchschläge, die automatische Rechtschreibkorrektur manches Nachschlagen. Und mit dem World Wide Web stand plötzlich eine nahezu unendliche Recherchebibliothek zur Verfügung.
Jedes dieser Werkzeuge hat in den vergangenen Jahrhunderten verändert, wie wir schreiben, recherchieren und kommunizieren.
Heute heißt das neueste Werkzeug Künstliche Intelligenz. Und wieder stellt sich die Frage: Wie verändert dieses Werkzeug die Art, wie wir kommunizieren? Oder noch weiter gefragt: Ersetzt KI dann den Menschen? So wie sich das vielleicht der eine oder andere Mönch gefragt hat, der bis dahin handschriftlich Bücher kopiert hat. Oder die Schreiber, die vor der Schreibmaschine Auftragstexte formulierten, oder die Duden und Enzyklopädien, die aus den Buchregalen verschwanden. Für sie alle haben sich durch die Einführung des jeweils neuen Werkzeug massive Veränderungen ergeben.
Was macht also KI heut mit uns?
Dazu passt ein Satz der Autorin Joanna Maciejewska (veröffentlicht 2024 auf X), der mir hängen geblieben ist: „Ich möchte, dass KI meine Wäsche wäscht und mein Geschirr spült, damit ich Kunst machen und schreiben kann – nicht, dass KI meine Kunst macht und meine Texte schreibt, damit ich Wäsche waschen und Geschirr spülen kann.“
Genauso wünsche ich mir das auch von KI.
KI kann erstaunlich viel.
Sie recherchiert, strukturiert, fasst zusammen, formuliert Varianten, liefert erste Ideen und zeigt Perspektiven, auf die man selbst vielleicht nicht gekommen wäre. Auch ich nutze KI in meiner täglichen Arbeit. Als Werkzeug und Sparringspartner. Nicht, um das Denken abzugeben. Dazu denke ich einfach viel zu gerne… Und ich liebe das kreative Schreiben, das Entwickeln von Texten, das Formulieren von Gedanken, das Zuspitzen, das richtige Wort suchen und finden.
Denn genau hier liegt für mich die Abgrenzung zwischen Mensch und Maschine.
Zwischen künstlicher Intelligenz und menschlicher Intelligenz.
KI kann einen Text für einen CEO formulieren. Aber sie kennt nicht automatisch die Vorgeschichte zum Thema, was genau in diversen Gesprächen diskutiert wurde, die Stimmung in der Belegschaft oder die feinen Interessen zwischen Unternehmen, Politik und Öffentlichkeit. KI kann Zielgruppen beschreiben und Ansprachen personalisieren. Ob aber ein Satz in dieser Situation glaubwürdig, klug oder schlicht unpassend ist, muss der Mensch beurteilen.
In den dreißig Jahren, in denen ich in den verschiedensten Kommunikationsbereichen gearbeitet habe, habe ich eins immer wieder erlebt: Ein sprachlich guter Text ist noch lange keine gute Kommunikation.
Entscheidend sind Kontext, Timing, Haltung und die Frage, was eine Aussage beim Gegenüber auslöst.
Ich gebe Richtung und Kontext vor. Ich prüfe Fakten. Ich entscheide, welche Idee trägt und welche nur gut klingt. Und ich übernehme Verantwortung für das, was am Ende veröffentlicht wird. Immer.
Das wird umso wichtiger, je leichter Inhalte produziert werden können. Wenn theoretisch jeder in kürzester Zeit Dutzende Texte erzeugen kann, wird Masse kaum zum Wettbewerbsvorteil. Relevanz schon.
Menschen wollen nicht einfach Content. Sie wollen Antworten auf ihre Fragen, wollen Orientierung und das Gefühl haben, tatsächlich und persönlich gemeint zu sein. Dabei kann KI helfen. Aber sie darf eben nicht zum Autopiloten werden.
Die richtige Frage lautet: Wer sorgt dafür, dass es der richtige Text für den richtigen Menschen im richtigen Moment ist?
Worte zu produzieren, aneinander zu reihen, so dass sie Sinn ergeben und auch noch ganz gut klingen, wird immer einfacher. Der entscheidende Unterschied: Relevanz, Haltung und Wirkung entstehen nun mal nicht auf Knopfdruck. Dafür braucht es den Menschen und seine Intelligenz.
3 Fragen für Sie und Ihre Organisation:
- Wo erleichtert KI Ihre Kommunikation? Und wo ersetzt sie möglicherweise eigenes Nachdenken
- Werden Ihre Inhalte durch KI tatsächlich relevanter für die Menschen, die Sie erreichen wollen? Oder ist es doch nur mehr Content, öfter und schneller?
- Wer trägt bei Ihnen die letzte Verantwortung für KI-generierte Inhalte?
Wenn Sie auf diese Fragen keine zufriedenstellenden Antworten finden, kontaktieren Sie mich gerne für ein unverbindliches Erstgespräch: mail@kbj-pr.de.