Good Stories – #6/2026: Kommunikation ist Chefsache
Gute Kommunikation ist Chefsache.
Drei Aspekte, wie Führungskräfte glaubwürdig kommunizieren.
Nach Wochen intensiver Arbeit und Abstimmung im Team war eigentlich alles vorbereitet: die Präsentation fertig, die Botschaften abgestimmt. Für die Mitarbeitenden gab es eine ausführliche Information, für Führungskräfte einen Leitfaden mit den wichtigsten Fragen und Antworten. Und trotzdem funktionierte die Kommunikation nicht. Denn während offiziell Zuversicht vermittelt wurde, sprach die Führungskraft im nächsten Meeting vor allem über Risiken, vermied konkrete Antworten und ließ erkennen, dass sie selbst nicht so recht an die neue Richtung glaubte. Und auch wenn die Kommunikationsabteilung ihre Arbeit gemacht hatte, sogar sehr gut gemacht hatte, fand die eigentliche Kommunikation woanders statt.
Genauso habe ich es in über 25 Jahren in der Unternehmenskommunikation immer wieder erlebt. Was ist da schiefgelaufen?
Gerade in größeren Organisationen ist Kommunikation oft arbeitsteilig organisiert. Das ist (in der Regel) auch sinnvoll. Kommunikationsprofis entwickeln Kommunikationsstrategien, formulieren dann die entsprechenden Botschaften, bereiten Auftritte (gerne auch verbunden mit Powerpoint und/ oder Videobotschaften) vor und sorgen dafür, dass die relevanten Informationen die richtigen Zielgruppen erreichen.
Was sie aber nicht können, ist einer Führungskraft die kommunikative Verantwortung abnehmen. Denn Mitarbeitende, Kund:innen oder andere Stakeholder beurteilen ein Unternehmen, eine Organisation, einen Verband nicht nur nach Pressemitteilungen, Websites oder Präsentationen. Sie beobachten, wie Entscheidungen erklärt werden. Welche Fragen beantwortet werden. Welche vermieden werden. Und ob das wahrgenommene Verhalten der Verantwortlichen zu dem passt, was offiziell gesagt wird.
Man kann Kommunikation delegieren. Kommunikative Verantwortung nicht.
Marketing erzeugt Aufmerksamkeit. Führung gibt Orientierung.
Marketing soll Produkte und Leistungen sichtbar machen, Interesse erzeugen und Nachfrage unterstützen. Gute Unternehmenskommunikation verfolgt einen anderen Zweck: Sie schafft Verständnis, gibt Vertrauen und Orientierung.
Besonders deutlich wird dieser Unterschied in schwierigen Situationen: Wenn sich ein Unternehmen verändert, eine Kommune Entscheidungen erklären muss oder ein Verband vor einem Richtungswechsel steht, reicht eine gut formulierte Botschaft nicht aus. Weil wir Menschen die Gründe dahinter verstehen wollen:
Warum passiert das?
Was bedeutet das für uns?
Entscheidend ist dabei, dass die Verantwortlichen das, was sie da verkünden, glaubwürdig rüberbringen.
Erstens: Verantwortung übernehmen.
Wer entscheidet, muss Entscheidungen auch erklären können. Nicht unbedingt jedes Detail (wobei je detaillierter, umso glaubwürdiger), aber konkret das Warum, die Richtung und die Konsequenzen.
Zweitens: Worte und Verhalten zusammenbringen.
Kaum etwas beschädigt Vertrauen schneller als ein sichtbarer Widerspruch zwischen Botschaft und Handeln. Kommunikation beginnt deshalb nicht beim gesprochenen Satz, sondern bereits beim Verhalten davor und danach.
Drittens: Orientierung geben, bevor Gewissheit besteht.
Führungskräfte warten häufig zu lange mit Kommunikation, weil noch nicht alle Antworten vorliegen. Gerade in Veränderungsphasen ist das problematisch: Der Flurfunk ist oft schneller, aber spekulativ und schürt damit eher Ängste.
Orientierung geben bedeutet nicht, alles zu wissen. Es bedeutet, transparent zu sagen, was feststeht, was noch offen ist und wann es wie weitergeht. Eben Fakten statt Flurfunk. Professionelle Kommunikation kann Klarheit schaffen, Argumente schärfen, unterschiedliche Perspektiven berücksichtigen und Führung auf schwierige Gespräche vorbereiten. Aber sie kann Führung nicht ersetzen
Führungskräfte entscheiden nicht, ob sie kommunizieren. Denn sie kommunizieren mit jedem Satz, jeder Entscheidung, jedem Schweigen und jedem Verhalten. Das wusste schon Paul Watzlawick, als er die fünf Grundregeln der menschlichen Kommunikation erklärte: „Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren.“
Die eigentliche Frage ist deshalb die entscheidende: Kommuniziert die Führungskraft bewusst und damit glaubwürdig?
3 Fragen für Sie und Ihre Organisation:
- Würden meine Mitarbeitenden unsere wichtigsten Entscheidungen genauso erklären wie ich?
- Passt das Verhalten unserer Führung zu dem, was wir offiziell über unsere Ziele, Werte und Veränderungen sagen
- Betrachten wir Kommunikation als Aufgabe einer Abteilung, oder als Teil unserer Führungsverantwortung??
Wenn Sie auf diese Fragen keine zufriedenstellenden Antworten finden, kontaktieren Sie mich gerne für ein unverbindliches Erstgespräch: mail@kbj-pr.de.