Good Stories – #8/2026​: Storytelling

Good Stories – #8/2026​: Storytelling

Der Kopf von Michelangelos berühmter David-Statue.
Storytelling ist, frei nach Michelangelos berühmten Zitat, einfach alles weglassen, das nicht zur Geschichte gehört.
Eine gute Geschichte erkennt man auch daran, was nicht in ihr steht. 
Was gutes Storytelling ausmacht.
 
Viele Texte sind nicht langweilig, weil zu wenig drinsteht. Sondern weil niemand entschieden hat, was wirklich wichtig ist. Ein Artikel beginnt weit vor dem eigentlichen Thema: Er erklärt erst einmal die Vorgeschichte, liefert Kontext, noch mehr Hintergründe und gibt vorsichtshalber auch noch eine Einordnung. Nachdem ich dann schon mindestens drei Absätze bewältigt habe, warte ich immer noch auf den zentralen Gedanken, für den ich eigentlich in den Text eingestiegen bin.
 

Gutes Storytelling braucht gedankliche Disziplin.
Wer eine Geschichte erzählt, muss wissen, wohin sie führt. Was sollen Leser:innen verstanden haben, wenn sie beim letzten Satz angekommen sind? Welche eine oder zwei Aussagen tragen den Text? Und was kann weg, obwohl es (vielleicht auch) interessant, (ganz bestimmt auch) richtig oder (von mir selbst!) mühsam recherchiert ist?

Genau diese Entscheidung ist oft der schwierigste Teil. Und wie jedem/ jeder Autor:in blutet auch mir das Herz bei jedem Wort, bei jeder Formulierung und noch schlimmer, bei ganzen Sätzen, die ich hinterher wieder streichen muss. Aber: es muss sein!

Ein typisches Beispiel aus meiner Praxis: Ein erster Entwurf für eine Rede enthält zehn gute Argumente. Alle sind richtig. Alle sollen hinein. Und genau deshalb bleibt am Ende keines davon hängen. Ziel verfehlt, Arbeit (eigentlich) umsonst. Deshalb hilft nur, den Text auseinanderzunehmen:
Was ist die zentrale Aussage?
Was muss das Publikum wissen, damit es folgen kann?
Und an welcher Stelle ist genug gesagt?

Der Einstieg spielt dabei eine entscheidende Rolle. Er muss nicht laut sein. Er braucht auch keine künstliche Provokation. Aber er sollte dem Leser, der Zuhörerin sofort einen Grund geben weiter dabei zu bleiben. Eine persönliche Beobachtung, eine Frage, ein Widerspruch oder eine These reichen dafür aus.

Danach braucht der Text Führung: Einen roten Faden, an dem sich der Gedanke entwickelt, ohne Schleifen und Nebenwege. Eine überraschende Wendung kann dabei stark sein. Sie ist aber ein Stilmittel, kein Pflichtprogramm. Ein künstlich eingebauter Twist macht aus einem schwachen Gedanken keine gute Geschichte.

Und auch das Ende braucht eine Entscheidung. Denn viele Texte enden zu spät. Die Aussage ist längst gemacht, anschließend wird sie noch einmal erklärt, zusammengefasst und sicherheitshalber wiederholt. Dadurch wird sie nicht stärker. Im Gegenteil, sie wird verwässert.

Storytelling heißt für mich deshalb vor allem: Auf den Punkt kommen. Das klingt einfacher, als es ist. Denn Kürzen bedeutet nicht, Informationen zu verlieren. Gutes Verdichten sorgt dafür, dass die entscheidende Information sichtbar wird. Für mich ist das der eigentliche Teil von Storytelling: Es ist weniger eine Frage des Erzählens als eine Frage des Sichtbarmachens. Sehr frei nach Michelangelos Zitat zu seiner David-Statue, eben alles zu entfernen, was nicht zur Geschichte gehört.

Am Ende zählt deshalb nicht, wie schön eine Geschichte erzählt wurde. Entscheidend ist, ob sie etwas ausgelöst hat: ein besseres Verständnis, eine neue Perspektive, ein überraschender Erkenntnisgewinn oder einfach ein gutes Gefühl.
Gerade in der Führungskommunikation ist das der eigentliche Maßstab. Wer viel sagt, hat noch lange nicht viel vermittelt.

3 Fragen für Sie und Ihre Organisation:

  • Welche eine Aussage aus unserer aktuellen Kommunikation soll bei Menschen hängen bleiben?
  • Wo erklären wir noch zu viel, statt unseren zentralen Gedanken eindeutig in den Mittelpunkt zu stellen?
  • Woran erkennen wir, dass unsere Kommunikation nicht nur informiert, sondern Orientierung gibt und etwas bewirkt?

Wenn Sie auf diese Fragen keine zufriedenstellenden Antworten finden, kontaktieren Sie mich gerne für ein unverbindliches Erstgespräch: mail@kbj-pr.de.

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