Good Stories – #9/2026​: Gesten

Good Stories – #9/2026​: Gesten

Offene, ausgestreckte Hand.
Non-verbale Kommunikation wie Gestik, Mimik, Stimme, Körpersprache machen einen Grossteil unserer Kommunikation aus. (Foto: A.C./ unsplash)

Warum kleine Gesten ohne Worte besonders sind. 

Gestern in der U-Bahn. Eine Frau telefoniert und weint dabei. Sie hat offenbar gerade eine schlimme Nachricht bekommen. Immer wieder ruft sie andere Menschen an, muss die Nachricht wohl selbst weitergeben. Sie spricht in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Aber man muss die Worte auch nicht verstehen. Ihr Gesicht, ihre Stimme, ihr Schluchzen sagen genug. Ein Mann hält ihr wortlos ein Taschentuch hin. Sie nimmt es. Eine andere Frau streicht ihr kurz über den Arm.
Mehr passiert nicht. Und doch passiert ziemlich viel.

Ein anderes Beispiel: Ich bin mit dem Rad auf einer engen Straße unterwegs. Ein Auto kommt mir entgegen. Der Fahrer fährt so weit wie möglich an den Rand und bleibt stehen, damit ich sicher vorbeikomme. Ich nicke ihm dankbar zu. Er lächelt zurück. Oder meine erste Präsentation in einer neuen Abteilung. Ich bin aufgeregt und versuche, mir nichts anmerken zu lassen. Eine Kollegin merkt es trotzdem. Sie schiebt mir einen Schokoriegel mit einem Post-it hin: „Du schaffst das!“ Ich muss lachen. Die Anspannung ist weg.

Kommunikation findet nicht nur dort statt, wo jemand etwas sagt.
Drei unspektakuläre Situationen. Keine große Rede, kein ausgefeiltes Wording, keine Kommunikations-strategie. Und trotzdem ist es Kommunikation. Denn Kommunikation findet nicht nur dort statt, wo jemand etwas sagt.

Gestik, Mimik, Blickkontakt, Körperhaltung, Stimme und räumliche Nähe beeinflussen maßgeblich, wie wir Situationen und andere Menschen wahrnehmen. Wie groß der Anteil tatsächlich ist, wird unterschiedlich diskutiert. Es kursieren Zahlen von 93% (55% Körpersprache und 38% Stimme, nach Albert Mehrabian von 1967) bis 78% (59% Körpersprache und 19% Stimme aus einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2006).
Fakt bleibt jedoch, dass der non-verbale Teil der Kommunikation grösser ist als der verbale. Denn entscheidend ist etwas anderes: Wir nehmen sehr genau wahr, ob jemand aufmerksam ist, ob er Rücksicht nimmt, ob sie uns sieht.

Non-verbale Kommunikation ist ein wichtiger Faktor in der Führungskommunikation.
Das gilt auch im Unternehmen: Eine Führungskraft, die im Vorbeigehen stehen bleibt, statt weiter auf das Handy zu schauen. Die Person, die im Meeting bemerkt, dass jemand seit zehn Minuten versucht, zu Wort zu kommen. Der kurze Blick nach einer schwierigen Präsentation, der signalisiert: Das war gut.

Solche Momente stehen in keinem Kommunikationskonzept. Und doch prägen sie unsere Kultur, im Miteinander, in der Gesellschaft wie auch in jedem Unternehmen. Gerade in der Führung wird viel darüber gesprochen, welche Botschaften vermittelt werden müssen. Aus meiner Erfahrung in der Unternehmens- und Vorstandskommunikation weiß ich: Die Wirkung entscheidet sich meist nicht allein an den sorgfältig vorbereiteten Worten. Menschen beobachten ebenso genau, was davor, daneben und danach passiert..

Kleine Gesten sind die Mikroebene von Führung.
Sie zeigen, ob Aufmerksamkeit und Wertschätzung nur formuliert oder tatsächlich gelebt werden. Das macht sie so wirksam. Sie brauchen keine Bühne. Sie sind in der Regel nicht geplant. Und genau deshalb wirken sie glaubwürdig.

Ein Taschentuch. Ein kurzes Anhalten. Ein Schokoriegel mit Post-it. Kleine Gesten des Trosts, der Aufmunterung oder der Rücksicht machen den Alltag nicht spektakulärer. Aber ein Stück menschlicher. Sie zeigen: Ich habe dich gesehen.
Auch etwas, in dem uns Menschen keine KI der Welt ersetzen kann.

3 Fragen für Sie und Ihre Organisation:

  • Welche besondere Geste hat Ihnen in jüngster Zeit geholfen?
  • Welche kleinen Gesten erleben Sie, erleben Ihre Mitarbeitenden in Ihrer Organisation jeden Tag?
  • Was erzählen diese über Ihre tatsächliche Führungskultur?

Wenn Sie auf diese Fragen keine zufriedenstellenden Antworten finden, kontaktieren Sie mich gerne für ein unverbindliches Erstgespräch: mail@kbj-pr.de.

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